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Das Centro interdipartimentale di studi "Colli-Montinari" su Nietzsche e la cultura europea hat sich zum Ziel gesetzt, die Forschungsarbeit weiter auszubauen und zu intensivieren, die eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Lecce aus dem Umkreis der Lehrstühle für Philosophiegeschichte (Pädagogische Fakultät) und für deutsche Sprache und Literatur (Sprachwissenschaftliche Fakultät) eingeleitet hat. Die Forschungsgruppe stellt sich nachdrücklich in die Tradition der von Giorgio Colli und Mazzino Monatinari begründeten Nietzsche-Interpretation: von hier aus versteht sich die Namensgebung des Studienzentrums nach diesen beiden Wissenschaftlern - einem Philosophen und einem Germanisten -, die sich mit der Erneuerung des Nietzsche-Bildes um die europäische Kultur verdient gemacht haben. Diesem Ansatz verdankt sich auch die Zusammenführung einschlägiger fachlicher Kompetenzen innerhalb unserer Universität aus den Bereichen der germanistischen und der philosophischen Forschung.
Von einem Mitglied dieser Forschungsgruppe sind bereits mehrere Aufsätze und bislang unediertes Material zur Genese der kritischen Nietzsche-Edition und ihre historisch-kulturellen Intentionen, zur geistigen Entwicklung und zur historisch-philologischen Methode Montinaris sowie zur philosophischen Interpretation Collis veröffentlicht worden.
Die Forschungsgruppe, die aufs engste in die Arbeit an der Vervollständigung der kritischen Edition von Nietsches Werken und Briefwechsel eingebunden ist (insbesondere was die italienische Ausgabe dieser Werke und dieses Briefwechsels betrifft), genießt im Kreis der internationalen Nietzsche-Forscher weithin Anerkennung und ist für viele von ihnen mehrfach zum Bezugspunkt geworden.
Die Eigentümlichkeit von Nietzsches Texten (in besonderer Weise der postum veröffentlichten) hat es von Anfang an erforderlich gemacht, für die Definition des Textes als solchen, der oft aus excerpta, Kommentaren und eingearbeiteter Lektüre, die fast nirgends ausgewiesen wird, besteht, die Arbeit auf unterschiedliche Quellen zu konzentrieren, welche sozusagen das Gerüst des Textes bilden. Diese historisch-kritische Arbeit hat die italienische Nietzsche-Forschung seit Colli und Montinari charakterisiert: zu dieser Forschung haben die Mitglieder der Lecceser Arbeitsgruppe einen Beitrag geleistet. Die Ergebnisse sind veröffentlicht worden in der einschlägigen Rubrik "Beiträge zur Quellenforschung" der "Nietzsche-Studien", in Fach-Aufsätzen, Sammelbänden (La trama del testo. Su alcune letture di Nietzsche, a cura di M. Cristina Fornari, Milella, Lecce 2000) und in Monographien (Giuliano Campioni, Les lectures françaises de Nietzsche, Paris, Puf, 2001), welche die philosophische Bedeutung der Texte Nietzsches kritisch beleuchten.
Die Publikation des neuen Katalogs der postumen Nietzsche-Bibliothek, der eine seitenweise Beschreibung der Lektüre-Vermerke aller in Weimar aufbewahrten Bücher, liefert, bildet das bemerkenswerte Resultat einer kollektiv betriebenen Forschungsarbeit im Goethe-Schiller-Archiv und in der Anna-Amalia-Bibliothek. Gegenwärtig wird eine letzte Überarbeitung für die Veröffentlichung beim Verlag De Gruyter (in der Reihe "Supplementa nietzscheana") vorgenommen. Herausgeber des Katalogs sind: Giuliano Campioni, Paolo Diorio, Maria Cristina Fornari, Francesco Fronterotta, Andrea Orsucci, unter Mitarbeit von Renate Müller-Buck.
Der jüngst begangene hundertste Todestag des deutschen Philosophen hat der vorgestellten Forschergruppe der Universität Lecce einen weiteren wichtigen Anlaß geboten, mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit in Erscheinung zu treten: so beteiligte sich diese Gruppe an wichtigen Initiativen zum Nietzsche-Jahr.
Das erklärte Ziel dieser Gruppe, die sich nunmehr offiziell als abteilungsübergreifendes Zentrum (Centro Interdipartimentale) konstituiert, ist es, die Forschung zu Nietzsches Denken, zur Philosophie und Kultur seiner Epoche und zu seinem ebenso vielfältigen wie wechselhaften Nachruhm voranzutreiben, wobei vor allem junge Studenten und Doktoranden, aber auch einfache Nietzsche-Liebhaber angesprochen sind. Auch wenn Nietzsche das Unglück einer unmittelbaren, ideologisierten Rezeption widerfuhr, so geht von ihm dennoch für die europäische Kultur der Jahrhundertwende ein wichtiger Impuls der Assimilation und der originellen Transformation aus, der sich in den unterschiedlichsten Wissenschaftsgebieten manifestiert. Der Philosoph Nietzsche unterzieht diese Kultur einer Umwandlung und gibt sie in einer radikal veränderten Form an die nachfolgenden Generationen weiter. Die junge Generation, die von dieser Kultur weiterhin nachhaltig fasziniert wird, soll durch eine Lektüre im "Zeitlupentempo" dazu angeleitet werden, genauer unterscheiden und sich damit zugleich insgesamt in unserer heutigen Realität besser orientieren zu können.
Das Centro interdipartimentale di studi "Colli-Montinari" su Nieztsche e la cultura euopea wird in besonderer Weise interdisziplinäre Forschungsprojekt in Form von nationaler und internationaler Zusammenarbeit fördern (Publikationen, Kongresse, Kolloquien).
Da sich das Studienzentrum vor allem die Förderung junger Wissenschaftler zur Aufgabe macht, ist in diesem Sinne in Zusammenarbeit mit dem abteilungsübergreifenden Zentrum für Studien über Descartes und das 17. Jahrhundert (Centro interdipartimentale di studi su Descartes e il Seicento) sowie mit dem Centre d'Etudes cartésiennes di Paris IV Sorbonne, das internationale Dissertationsprojekt zu Formen und Geschichte des philosophischen Wissens im Europa der Moderne und der Gegenwart eingerichtet worden.